Topinambur – die wiederentdeckte Knolle
Vor wenigen Tagen hat die diesjährige Ernte einer Gemüse-Rarität begonnen. Topinambur – die kartoffelähnliche
Knolle mit angenehm nussigen Aroma und gesundheitsförderlichen Merkmalen. Hochbetrieb und voller Einsatz deshalb bei dem auf Topinambur spezialisierten Bio-Bauernhof Lindl in Heimenkirch im Allgäu, denn ab Oktober gehören die wohlschmeckenden Feldfrüchte in Naturkostläden und auf Wochenmärkten zum saisonalen Frischeangebot. Mit der im Sommer neu geschaffenen Produktlinie „Lindl’s erlebte Natur“ stellt der Bio-Hof dem Handel neuerdings zudem ein Sortiment an haltbaren und dadurch ganzjährig verkaufsfähigen Erzeugnissen zur Verfügung. Die Topinambur-Knollen lassen sich wie Kartoffeln zubereiten, aber auch roh zu Salat geraspelt genießen. Aufgrund ihrer sowohl geschmacklichen als auch gesundheitlichen Vorzüge findet diese lange Zeit vergessene Gemüsesorte zunehmend Liebhaber unter den Freunden einer saisonalen und heimischen Ernährung. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Pflanze war früher schon als Delikatesse geschätzt worden, sogar an Fürstenhöfen kam sie auf den Tisch, hatte aber durch ihre gegenüber der Kartoffel kürzere Lagerfähigkeit und einen mancherorts geringeren Ernteertrag stark an Anbaufläche verloren. Vor drei Jahren hat Georg Lindl (43), Diplom-Ingenieur für Landespflege und in der Umweltpädagogik tätig, den Verbrauchertrend zum Verzehr von basenreichem Gemüse aus biologischem Anbau erkannt. Er ist das Risiko eingangen, nahezu seine gesamte Ackerfläche von vier Hektar für die wiederentdeckte Feldfrucht zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig ist er mit seinem Hof ein Mitglied bei Naturland geworden, dem Bioerzeuger-Verband, und führt seither einen biozertifizierten Betrieb. Den Start erleichtert hat ihm der glückliche Umstand, den vorhandenen Kundenstamm des deutschen Topinambur-Pioniers Kurt Marquardt übernehmen zu können. Dadurch war von Anfang an für eine stetige Nachfrage an der mineralienreichen Knolle gesorgt. Mittlerweile verkauft die Familie Lindl als Nischenanbieter ihre ab Ende September alle paar Tage frisch geernteten Knollen und eine Vielzahl daraus hergestellter Produkte deutschland- und sogar europaweit. Geliefert wird an den Großhandel, an Naturkostläden und per klimaneutralem „GoGreen“-Versand auch an Endverbraucher. Sogar Jungpflanzen liefert Lindl inzwischen aus, für Hobbygärtner, die selbstversorgerisch den Winter hindurch ihr Gemüse frisch aus der eigenen Erde holen wollen. Die Knollen halten sich längerfristig nur in Sand oder Erde wirklich gut, dann aber den ganzen Winter. Im Haushalt empfiehlt sich die Aufbewahrung der sensiblen Knolle in der Tupperdose, so entsteht auch in vier Wochen kaum ein Feuchtigkeitsverlust.
Vorteil: Kaum ein Schädling geht an die wohlschmeckende Knolle
Topinambur ist relativ genügsam, wächst aber am besten in lockerem Boden. Kaum ein Schädling interessiert sich für die Knolle. Das macht sie unkompliziert und attraktiv für die Biolandwirtschaft. Die Anbauer schätzen auch, dass das dichte Blattwerk des Sonnenblumengewächses und die Knollen selbst andere Pflanzen verdrängen – und damit dem Unkraut in und über der Erde kaum eine Chance lassen. Vor allem über den Biohandel ist Topinambur als Gemüsebeilage wieder zu Ehren gekommen. Kenner verwenden sie auch für Rohkost und Salate oder machen daraus Cremesuppen, Gratins, Püree oder Chips. Doch immer noch werden 90 Prozent der in Deutschland geernteten Topinamburknollen in Brennereien zu Schnaps verarbeitet. Die Topinambur heißt auch Erdartischocke oder Erdbirne. Die Knolle wird selten größer als eine Kiwi und ist unregelmäßiger geformt als die meisten Kartoffeln. Ihre schuppige Haut erinnert an frischen Ingwer. Innen ist Topinambur – je nach Sorte – weiß, gelb, rot oder violett, darüber trägt sie eine dünne schuppige bräunlich gefärbte Schale.
Topinambur speichert Energie in
Form von Inulin – nicht als Stärke
Großhandel
Quelle: openpr.de